{"id":132,"date":"2014-04-14T15:12:10","date_gmt":"2014-04-14T15:12:10","guid":{"rendered":"http:\/\/groihofer.at\/meinblog\/?p=132"},"modified":"2014-05-04T15:22:48","modified_gmt":"2014-05-04T15:22:48","slug":"hans-hollein-in-memoriam-zwei-ausstellungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/groihofer.at\/meinblog\/2014\/04\/14\/hans-hollein-in-memoriam-zwei-ausstellungen\/","title":{"rendered":"Hans Hollein: In Memoriam. Zwei Ausstellungen"},"content":{"rendered":"<p>Hans Hollein &#8211; Alles ist Architektur<\/p>\n<p>Schon 1958 in Chicago schreibt Hollein als Antwort der Frage \u201eWhat is Architecture?\u201c:\u201eArchitektur ist notwendigerweise weder ein sch\u00fctzendes Geh\u00e4use noch ein Monument, aber eine der Grundvoraussetzungen ist, dass sie gebaut ist oder herausgegraben, oder geformt mit irgendwelchen anderen Mitteln des Bauens. Eine H\u00f6hle ist nicht Architektur, noch ist es ein Baum. Jedoch ein Stahlprofil, in die Mitte der W\u00fcste gerammt, ist es. Architektur ist das Schaffen von Raum von Menschen f\u00fcr Menschen\u201c.<!--more--><\/p>\n<p>1962, in seinem Vortag \u201eZur\u00fcck zur Architektur\u201c in der von Monsignore Otto Mauer geleiteten \u201eGalerie n\u00e4chst St. Stephan\u201c fragt er: \u201eWie muss eine wahre Architektur von heute aussehen? Vierdimensional, gebaut, roh, rauh bis kristallin, schwarz bis wei\u00df, aber nicht schwarz-wei\u00df, \u00fcber der Erde schwebend, in den Himmel schie\u00dfend, schief, plastisch, sinnlich, herrschend, schmutzig, in dauernder Verwandlung begriffen, zwecklos und doch verwendbar, geballt, raumstrahlend.\u201c Seine Antwort hat bis heute G\u00fcltigkeit. Auch Walter Pichler war anwesend und fasziniert. Die Begegnung f\u00fchrte in der Folge zur gemeinsamen legend\u00e4ren Ausstellung \u201eHollein Pichler. Architektur. Work in Progress.\u201c vom 8.-12. Mai 1963 und damit endg\u00fcltig zur fruchtbaren Phase der jungen Vision\u00e4re \u00d6sterreichs. Hollein hatte an der Wiener Akademie der bildenden K\u00fcnste in der Meisterklasse Clemens Holzbauer (Diplom 1956) studiert. Nach dem Studium war er einer der ersten Absolventen der Nachkriegsgeneration, der in die USA ging und in Chicago am ITT (Illinois Institute of Technology) und an der University of California, Berkeley weiterstudierte und dort 1960 mit dem Master of Architecture abschloss. In Amerika besch\u00e4ftigte sich Hollein mit dem Werk von Friedrich Kiesler, Rudolph M. Schindler und Richard Neutra, Ludwig Mies van der Rohe, Frank Lloyd Wright, Richard Buckminster Fuller, die er auch pers\u00f6nlich traf. Das Wissen brachte er in der Folge nach Wien mit. 1965 \u00fcbernahmen er mit Walter Pichler, Oswald Oberhuber und Gustav Peichl die Gestaltung der von der ZV herausgegebenen Zeitschrift \u201eder Bau\u201c, die fortan \u201eBau. Schrift f\u00fcr Architektur und St\u00e4dtebau&#8220; hie\u00df und die er f\u00fcr die n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahre zum Sprachrohr und zentralen Informationsmedium der jungen Avantgarde machte. Die vision\u00e4ren Arbeiten der fr\u00fchen Jahre sind wohl bekannt, ebenso die \u201eIkone\u201c, das Kerzengesch\u00e4ft Retti (1964\u20131965), sein erster unabh\u00e4ngiger Auftrag in Wien. Auf \u00f6ffentliche Bauauftr\u00e4ge in Wien wartete er die darauffolgenden Jahrzehnte vergeblich. Die meisten Museumsbauten sind im Ausland entstanden, wie das St\u00e4dtische Museum Abteiberg in M\u00f6nchengladbach (1972\u20131982), das Museum f\u00fcr Moderne Kunst Frankfurt um (1983\u20131991) und das unterirdische Museum \u201eVulcania\u201c im franz\u00f6sischen Auvergne bei Clermont-Ferrand (1994\u20132002). In Berlin baute er die \u00f6sterreichische Botschaft, in Vaduz die Centrum Bank, in Lima das Headquarter der Interbank und in Wien den Generali Tower. Weniger bekannt sind seine Bauten der letzten f\u00fcnf Jahre, wie die Wohnhochh\u00e4user in Peru und ein B\u00fcro- und Fabrikgeb\u00e4ude sowie weitere sechs Wohnhochh\u00e4user in Taiwan. Aktuell in Bau befindet sich das 200 Meter hohe B\u00fcrohochhaus SBF Tower im chinesischen Shenzhen. In \u00d6sterreich konnte er nach dem umstrittenen Haas-Haus (1985-1990) einige weitere Bauten verwirklichen: das N\u00d6 Landesmuseum und die Shedhalle St. P\u00f6lten (1992\u20132002), in Wien die Volksschule Donau-City (1993\u20131999), die B\u00fcrohochh\u00e4user Saturn Tower Donau-City (2002\u20132004), den Generali Tower (1994 2000), das Entr\u00e9e und das Caf\u00e9 der Albertina, (2001\u20132003) und das B\u00fcrogeb\u00e4ude Welle am Stadtpark (mit Dieter Hayde, 2004\u20132008). Anl\u00e4sslich seines 80. Geburtstages widmen sich zwei Ausstellungen seinem umfassenden Werk: \u201eHans Hollein: Alles ist Architektur\u201c (12. April bis 28. September 2014) im St\u00e4dtischen Museum Abteiberg in M\u00f6nchengladbach und die Schau \u201eHollein\u201c (25. Juni bis 5. Oktober 2014) im MAK Wien. Kuratiert von Wilfried Kuehn vom Berliner Architekturb\u00fcro KUEHN MALVEZZI. Er nimmt aus einer anderen Perspektive die Neubetrachtung des Werks von Hans Hollein vor. K\u00fchn sch\u00e4tzt Holleins fr\u00fche Arbeiten der 60er Jahren und meint zu dessen Universalit\u00e4t als Ausstellungsgestalter, Designer und K\u00fcnstler: \u201eer ist ein Architekt, der tas\u00e4chlich auch ein K\u00fcnstler ist, er ist beides. Weil er sich die Frage, ob das eine oder das andere zutrifft, gar nicht stellt, den Unterschied gar nicht macht\u201c. Die Auffassung von Architektur als geistiger Ordnung, das Verh\u00e4ltnis Mensch, Raum und Natur, die Herleitung des Bauens aus dem Kultischen sowie die Faszination f\u00fcr Technik, Weite und Weltraumfahrt wurden zu Holleins Themen, zu seinem Programm und seiner Vision.<\/p>\n<p>Brigitte Groihofer f\u00fcr Architektur &amp; Bauforum 14. April 2014<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans Hollein &#8211; Alles ist Architektur Schon 1958 in Chicago schreibt Hollein als Antwort der Frage \u201eWhat is Architecture?\u201c:\u201eArchitektur ist notwendigerweise weder ein sch\u00fctzendes Geh\u00e4use noch ein Monument, aber eine der Grundvoraussetzungen ist, dass sie gebaut ist oder herausgegraben, oder geformt mit irgendwelchen anderen Mitteln des Bauens. Eine H\u00f6hle ist nicht Architektur, noch ist es [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/groihofer.at\/meinblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/132"}],"collection":[{"href":"https:\/\/groihofer.at\/meinblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/groihofer.at\/meinblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/groihofer.at\/meinblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/groihofer.at\/meinblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=132"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/groihofer.at\/meinblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/132\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":134,"href":"https:\/\/groihofer.at\/meinblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/132\/revisions\/134"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/groihofer.at\/meinblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=132"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/groihofer.at\/meinblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=132"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/groihofer.at\/meinblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=132"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}