{"id":247,"date":"2017-05-09T16:00:40","date_gmt":"2017-05-09T16:00:40","guid":{"rendered":"http:\/\/groihofer.at\/meinblog\/?p=247"},"modified":"2017-05-09T16:07:14","modified_gmt":"2017-05-09T16:07:14","slug":"eduard-sekler-nachruf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/groihofer.at\/meinblog\/2017\/05\/09\/eduard-sekler-nachruf\/","title":{"rendered":"Eduard Sekler Nachruf"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><b>Eduard Sekler (30. September 1920 Wien \u2013 1. Mai 2017 Cambridge, Massachusetts)<\/b><\/p>\n<\/div>\n<p>Mit <b>Architekt Univ. Prof. Dr. Eduard Sekler<\/b> hat die Architektur einen der gro\u00dfen Denker des Jahrhunderts verloren, der auch f\u00fcr die Wiener Architektengenerationen der Nachkriegszeit von wesentlicher Bedeutung war.<\/p>\n<p>Der unglaublichen F\u00fclle seiner Leistungen, seiner Lehre, Forschung und seines aktiven Mitwirkens an Theorie und Diskurs durch ein Jahrhundert Architekturgeschichte kann ein Nachruf niemals gerecht werden, sondern lediglich einige wenige Facetten in Erinnerung rufen. Sekler hat Generationen von Architekten gepr\u00e4gt und begleitet, war mit wesentlichen Architekten des Jahrhunderts bekannt, hat alle Str\u00f6mungen und Richtungen der Architekturentwicklung miterlebt.<\/p>\n<p>Parallel galt sein besonderes Engagement der Bet\u00e4tigung zusammen mit internationalen Organisationen zum Thema Cultural Heritage. Als Teilnehmer <i>des Congresses of Architects for Historic<\/i> <i>Buildings<\/i>, welcher in Venedig stattfand, war er am Entwurf der ber\u00fchmten Charta von Venedig sowie an der 1965 erfolgten Gr\u00fcndung von ICOMOS instrumental beteiligt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Sekler absolvierte eine internationale Ausbildung. Basis war nach dem Schottengymnasium das Architekturstudium w\u00e4hrend des 2. Weltkrieges an der Technischen Hochschule Wien, wo er 1945 seinen Abschluss machte. Anschlie\u00dfend wurde er Assistent Assistent bei Karl Holey an der Lehrkanzel f\u00fcr Baugeschichte und Bauaufnahme an der Technischen Hochschule Wien und machte 1948. Einen Ph. D. in Kunstgeschichte machte er am ber\u00fchmten Warburg Institute an der Universit\u00e4t London. 1953 kam er mit einem Fulbright Stipendium an die Harvard University. 1955 berief ihn Dekan <b>Josep Llu\u00eds Sert <\/b>als Visiting Professor of Architecture an die Graduate School of Design, Universit\u00e4t Harvard, wo er 1960 Full Professor f\u00fcr Architekturgeschichte, 1962 Coordinator of Studies an dem nach Pl\u00e4nen von Le Corbusier errichteten <b>Carpenter Center for the Visual Arts<\/b> wurde und von 1966-1976 \u00a0dessen Direktor. Parallel dazu wurde Sekler unter dem damaligen Architekturdekan <b>Michel Engelhart<\/b> 1953 Dozent und 1960 ordentlicher Professor am Institut f\u00fcr Theorie und Kritik der Architektur an der <b>Technischen Hochschule Wien<\/b>. 1959 wurde <b>Karl Schwanzer<\/b> an die TH berufen. Beide wurden sie zu Wegbereitern einer neuen internationalen und weltoffenen \u00c4ra in Wien.<\/p>\n<p>Im informationshungrigen Wien im Jahrzehnt nach dem 2. Weltkrieg war es Sekler, der u. a. ab 1948 bis 1959 zun\u00e4chst als Mitglied und schlie\u00dflich \u00f6sterreichischer Delegierter bei den <b>CIAM<\/b> (Congr\u00e8s Internationaux d\u2019Architecture Moderne \u2013 Internationale Kongresse Moderner Architektur) das Tor zur internationalen Architekturwelt \u00f6ffnete und die Wiener Fachwelt mit Informationen aus der Welt versorgte und somit den Zugang zum internationalen Diskurs \u00f6ffnete. Seit 1946 berichtete Sekler als Korrespondent der Zeitschrift <b>Der Aufbau<\/b> \u00fcber Kongresse und internationale Tendenzen und Themen.<\/p>\n<p>Als Architekturhistoriker verfasste er bedeutende Schriften. Wie <b>Otto Kapfinger<\/b> in seiner Laudatio zur 1912 verliehenen Ehrenmitgliedschaft der <b>Wiener Secession<\/b> erw\u00e4hnt, waren seine Publikationen, wie die 1956 \u00fcber <b>Christopher Wren<\/b> und dessen europ\u00e4ische Bedeutung erschienene, der 1978 in Harvard publizierte gro\u00dfe Band \u00fcber <b>Le Corbusiers <\/b>Carpenter Center und die 1982 <b>Josef Hoffmann<\/b>-Monografie drei international bis heute g\u00fcltige, architekturwissenschaftliche Standardwerke, die noch dazu die Spannweite vom Barock bis zur Gegenwart umrei\u00dfen. Besonders das Hoffmann-Buch war es, so Kapfinger \u201edass Sekler meiner Generation von Architektur- und Kunstbegeisterten erstmals nahebrachte\u201c. F\u00fcr die damals Jungen, wie <b>Fritz Achleitner<\/b>, <b>Johann Georg Gsteu<\/b>, <b>Adolf Krischanit<\/b>z und <b>Dietmar Steiner<\/b> sei, so Kapfinger \u201eSeklers Buch \u00fcber den in so vielen widerspr\u00fcchlichen Facetten schillernden Hoffmann eine Prim\u00e4rerfahrung\u201c, das zur Neubetrachtung und Besch\u00e4ftigung mit dem Jugendstil und der Wiener Moderne beitrug.<\/p>\n<p>Die Ankn\u00fcpfungen und Verbindungslinien zu Sekler und der \u00f6sterreichischen Architektenschaft sind unglaublich zahlreich, so reiste Sekler 1962 als UNESCO-Konsulent nach Nepal, wo er sich f\u00fcr die Katalogisierung der Denkm\u00e4ler einsetzte. 1964 best\u00e4rkte er <b>Carl Pruscha<\/b>, der soeben ein Postgraduate-Studium in Harvard absolviert hatte, nach Nepal zu gehen, um dort als UNESCO-Berater an einem Entwicklungsplan, dem \u201eProtective Inventory for the Preservation of the Cultural Heritage and the Physical Environment for the Kathmandu Valley\u201c zu arbeiten, der die Basis f\u00fcr eine schlie\u00dflich durch die UNESCO erfolgte Unterschutzstellung als World Heritage Site gesetzt hatte. Ende der 60er-Jahre folgte auch der Wiener Architekt <b>G\u00f6tz Hagm\u00fcller<\/b> mittels einer FAO-Mission der UNO und lebt noch heute in Bhaktapur. 1990 gr\u00fcndete Sekler einen lokalen <b>Preservation Trust<\/b> zur organisatorischen Begleitung von Renovierungen in Nepal.<\/p>\n<p>Eduard Sekler erhielt international zahlreiche Ehrungen, 1987 er ein Ehrendoktorat der ETH-Z\u00fcrich, 2005 das \u00d6sterreichische Ehrenzeichen f\u00fcr Wissenschaft und Kunst und 2012 wurde er Ehrenmitglied der Wiener Secession. Seit 2010 war er auch Mitglied der Kurie in \u00d6sterreich.<\/p>\n<p align=\"left\">Ein mehrst\u00fcndiges Interview mit Eduard Sekler f\u00fchrte Richard C\u00e0ndida Smith f\u00fcr den J. Paul Getty Trust 1995: Spirit and project : Eduard F. Sekler. Es ist transkribiert und online aufrufbar unter: <a href=\"https:\/\/archive.org\/details\/spiritprojectedu00sekl\">https:\/\/archive.org\/details\/spiritprojectedu00sekl<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Auswahl der Publikationen von Eduard Sekler:<\/p>\n<ul>\n<li>1956: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Christopher_Wren\"><i>Wren<\/i><\/a><i> and His Place in European Architecture<\/i>, MacMillan and Company 1956\n<ul>\n<li>1978: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Le_Corbusier\"><i>Le Corbusier<\/i><\/a><i> at Work: The Genesis of the Carpenter Center for the Visual Arts<\/i>, Harvard University Press, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Spezial:ISBN-Suche\/9780674520592\">ISBN 978-0-674-52059-2<\/a><\/li>\n<li>1982: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Josef_Hoffmann_(Architekt)\"><i>Josef Hoffmann<\/i><\/a><i>: das architektonische Werk\u00a0; Monographie und Werkverzeichnis<\/i>, Residenz-Verlag, Salzburg\/Wien, 1982, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Spezial:ISBN-Suche\/9783701703067\">ISBN 978-3-7017-0306-7<\/a><\/li>\n<li>1988: <i>Die Architektur und die Zeit<\/i>, Eidgen\u00f6ssische Technische Hochschule Z\u00fcrich, Abteilung f\u00fcr Architektur, Verlag der Fachvereine, Z\u00fcrich 1988, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Spezial:ISBN-Suche\/9783728116284\">ISBN 978-3-7281-1628-4<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eduard Sekler (30. 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