{"id":262,"date":"2019-03-07T11:51:38","date_gmt":"2019-03-07T11:51:38","guid":{"rendered":"http:\/\/groihofer.at\/meinblog\/?p=262"},"modified":"2019-09-29T08:20:03","modified_gmt":"2019-09-29T08:20:03","slug":"lebensabend-im-garten-eden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/groihofer.at\/meinblog\/2019\/03\/07\/lebensabend-im-garten-eden\/","title":{"rendered":"Lebensabend im Garten Eden"},"content":{"rendered":"<p>Eine besondere Aufgabe wurde intelligent gel\u00f6st. Ordensschwestern als Bauherrinnen und drei junge Architekten haben sich gefunden und eine pr\u00e4zise, menschliche und nachhaltige Rauml\u00f6sung mit Sensibilit\u00e4t und alemannisch gepr\u00e4gter Tradition f\u00fcr pflegebed\u00fcrftiges Wohnen geschaffen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-263 alignleft\" alt=\"hfn_rendering-blick-in-den-garten_0\" src=\"http:\/\/groihofer.at\/meinblog\/files\/2019\/08\/hfn_rendering-blick-in-den-garten_0.jpg\" width=\"427\" height=\"315\" srcset=\"https:\/\/groihofer.at\/meinblog\/files\/2019\/08\/hfn_rendering-blick-in-den-garten_0.jpg 610w, https:\/\/groihofer.at\/meinblog\/files\/2019\/08\/hfn_rendering-blick-in-den-garten_0-300x221.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 427px) 100vw, 427px\" \/>\u00a0<!--more--><\/p>\n<p>Die Franziskanerinnen von der christlichen Liebe, in Wien auch als Hartmannschwestern bekannt, wurden 1857 in Wien gegr\u00fcndet. Die Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche mit derzeit 74 Schwestern widmet sich vor allem der Obsorge alter und kranker Menschen. In Wien betreibt sie zwei Krankenh\u00e4user, das ehemalige Hartmannspital, nun Franziskus-Spital Margareten, und das Franziskus-Spital Landstra\u00dfe, ehemals Krankenhaus St. Elisabeth, sowie Altenpflegeheime im 13. Bezirk, nahe dem Lainzer Tiergarten. Da diese Pflegeheime den k\u00fcnftigen Standards nicht mehr entsprechen, entsteht am Standort Lainz ein neues Heim mit rund 140 Zimmern, das h\u00f6chste Qualit\u00e4tsstandards in Betreuung und Pflege schafft.<\/p>\n<p>Notwendig geworden war dies durch die \u00c4nderung der gesetzlichen Regelung, die ab 2020 Barrierefreiheit f\u00fcr Pflegeeinrichtungen vorschreibt. Da ein Umbau der zwei bestehenden Heime nicht m\u00f6glich war, entschloss man sich zu einer Konzentration der Pflegeeinrichtungen an nur einem Standort und somit zum Neubau; die beiden anderen Heime werden nach dessen Fertigstellung geschlossen. 2016 wurde ein geladener Architekturwettbewerb ausgelobt. Aus Einreichungen sechs hochkar\u00e4tiger Architektenteams \u00fcberzeugte die Jury das Konzept von Schenker Salvi Weber. Danach ging alles sehr schnell. 2017 wurde der Bestand abgebrochen. Am 28. Juni 2018 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung f\u00fcr den Neubau.<\/p>\n<h2>Grundst\u00fcck, Lage, Garten\u00a0und Therapiegarten<\/h2>\n<p>Das wundersch\u00f6ne Hanggrundst\u00fcck von au\u00dfergew\u00f6hnlicher Qualit\u00e4t befindet sich im Besitz des Ordens und liegt in Hietzing, es grenzt an den Friedhof Ober St. Veit und an einen Ausl\u00e4ufer des Lainzer Tiergartens. Darauf lag das Josefsheim, das an der Stelle einer 1747 gebauten Einsiedelei lag, deren Nachfolgebauten nach wechselnden Besitzern und Nutzungen 1909, nach einem Brand, als Erholungsheim samt neoromanischer Kapelle f\u00fcr die Ordensschwestern errichtet worden war. Vom Denkmalamt als nicht erhaltungsw\u00fcrdig ausgewiesen, musste es nun dem Neubau weichen. Der Fl\u00e4chenwidmungsplan wurde zugunsten der ausnutzbaren Fl\u00e4che leicht ge\u00e4ndert, die zul\u00e4ssige Geb\u00e4udeh\u00f6he mit 13 Metern limitiert, die Stellplatzverpflichtung auf 50 Prozent herabgesetzt.<\/p>\n<p>Durch die Hanglage und das Parkschutzgebiet war die Bebauungsm\u00f6glichkeit begrenzt. Da die Architekten unbedingt den Altbaumbestand erhalten wollten, platzierten sie den L-f\u00f6rmigen Bauk\u00f6rper an den Rand des Grundst\u00fcckes, mit zwei klar definierten Seiten, einer st\u00e4dtischen mit Panoramafernblick \u00fcber Wien und einer intimen Seite in den Park mit dem freien Blick hangw\u00e4rts \u00fcber eine 2.900 Quadratmeter gro\u00dfe Gartenfl\u00e4che und 4.850 Quadratmeter Waldfl\u00e4che.<\/p>\n<p>Barrierefreien Zugang zum Park haben alle Wohngruppen \u00fcber die zentral gelegenen Stiegenh\u00e4user mit zwei im ersten Obergescho\u00df gelegenen Ausg\u00e4ngen. Zwischen den zwei Ausg\u00e4ngen ist eine ebene Fl\u00e4che aufgespannt, die multifunktional genutzt werden kann und durch zahlreiche Sitzgelegenheiten sowie Bepflanzungen zum Verweilen einl\u00e4dt. Der von DnD Landschaftsplanung gestaltete Garten f\u00fcr Menschen mit Demenz ist nach S\u00fcden ausgerichtet, was dessen Benutzbarkeit erh\u00f6ht. Der gesamte Garten ist \u00fcber die Geb\u00e4udesetzung, die Grundst\u00fccksgrenzen und durch St\u00fctzmauern nat\u00fcrlich definiert und umfriedet. \u00dcber m\u00e4andrierende Endlosschleifen sind die Zug\u00e4nge zu den Wohngruppen miteinander verbunden. Verschlungene Wege f\u00fchren auch durch den Baumbestand. Der Garten ist mit unterschiedlichen Themen wie etwa einem Klanggarten, Tastgarten, Gem\u00fcsegarten mit Hochbeeten, Rosengarten, Duftgarten und Obstgarten bespielt.<\/p>\n<h2>Raumkonzept und Wohngruppen<\/h2>\n<p>Erdgescho\u00df: Die ostseitige Geb\u00e4udegrenze wurde zur\u00fcckversetzt. Dadurch entstand ein klar definierter Ankunftsbereich mit einem 1.100 Quadratmeter gro\u00dfen Vorplatz, der mit Sitzelementen (Bankerln) unter dem gro\u00dfen Baum als Dorfplatz ausgestaltet wird und zum Verweilen und Beobachten des Kommen und Gehens einl\u00e4dt. Versiegelte Fl\u00e4chen erm\u00f6glichen die Zufahrt bis zum gro\u00dfz\u00fcgigen, gedeckten Au\u00dfenbereich des Hauses. Dieser klar geometrisch gegliederte Eingangsbereich liegt zwischen der \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Cafeteria mit Terrasse, einem gro\u00dfen Mehrzweckraum, der Rezeption, der Kapelle, dem Friseur und der kleinen Grei\u00dflerei. Das Erdgescho\u00df enth\u00e4lt au\u00dferdem die Zentralr\u00e4ume wie Verwaltung, K\u00fcche, Lager, Dienstzimmer, Therapier\u00e4ume sowie andere Infrastruktureinrichtungen. Ein zweiter Eingang f\u00fcr die Ver- und Entsorgung sowie das Personal liegt an der Westseite beim Wirtschafts- und K\u00fcchentrakt, wo sich auch ein Parkplatz befindet.<\/p>\n<p>Obergescho\u00dfe: Der L-f\u00f6rmige Bauk\u00f6rper ist in vier ann\u00e4hernd quadratische Kn\u00f6pfe bzw. Einheiten gegliedert, die durch ein R\u00fcckgrat zu einer Gro\u00dfform miteinander verbunden sind. Die eigentlichen Wohngescho\u00dfe mit den Individualzimmern liegen im ersten, zweiten und dritten Obergescho\u00df. Jede der vier Einheiten pro Gescho\u00df besteht aus zw\u00f6lf bis 14 Zimmern, die eine Wohngemeinschaft bilden. Die Einzelzimmer gruppieren sich radial um einen gro\u00dfz\u00fcgigen zentralen offenen gemeinschaftlichen Wohn- und K\u00fcchenraum, der f\u00fcr eine famili\u00e4re und h\u00e4usliche Atmosph\u00e4re sorgt. Anstelle einer Wohngruppe sind im dritten Obergescho\u00df acht Novizinnenzimmer integriert. Zwei der Wohnbl\u00f6cke bieten einen direkten Blick in Park und Hof, die zwei ostseitigen Einheiten verf\u00fcgen \u00fcber einen mittigen, offenen Lufthof. Alle Wohngemeinschaften verf\u00fcgen au\u00dferdem \u00fcber Gemeinschaftsterrassen, die so gro\u00df sind, dass auch Betten darauf Platz finden. Damit k\u00f6nnen auch bettl\u00e4gerige Bewohner einen Ortswechsel und frische Luft genie\u00dfen. Au\u00dferdem sind die Zimmer so angelegt, dass man vom Bett aus in den Park sehen kann.<\/p>\n<h2>Einrichtung<\/h2>\n<p>Die Architekten wurden auch mit der Einrichtung beauftragt. Die Zimmer sind, auch aufgrund zahlreicher Vorschriften, mit Kautschukb\u00f6den belegt. Viel Holz und sanfte, angenehme Farben generieren eine beruhigende Stimmung. Zur\u00fcckhaltung bei gleichzeitiger Pr\u00e4senz war das Motto bei der M\u00f6blierung, die den Bewohnern m\u00f6glichst individuelle Gestaltungsfreiheit f\u00fcr ihren Lebensbereich erm\u00f6glichen soll.<\/p>\n<h2>Konstruktion, Material, Energie<\/h2>\n<p>Der Rohbau ist in Stahlbeton mit St\u00fctzen und Schotten gefertigt. Auf die Fassade des Sockelgescho\u00dfes aus Stein folgt eine Holz-Riegel-Konstruktion mit einer Schalung aus L\u00e4rchenbrettern, die vorverwittert und vorgefertigt geliefert wurde und in einem milden grau-silbrigen Farbton schimmert. Deren Schuppigkeit erlaubt die Erkennbarkeit der einzelnen Gescho\u00dfe und sie nimmt Bezug auf die Ma\u00dfst\u00e4blichkeit des Ortes. Geheizt wird mangels Anschlusses an die Fernw\u00e4rme mit Gas, erg\u00e4nzt durch Photovoltaik.<\/p>\n<h2>Termin- und Kostenplan<\/h2>\n<p>Im September 2018 wurde die Dachgleiche gefeiert. Oberin Mag. Sr. M. Hilda Daurer und Friederike Hacker, die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Heime der Franziskanerinnen, freuten sich mit den Arbeitern der verschiedenen Gewerke \u00fcber den Baufortschritt und die harmonische Zusammenarbeit mit den Architekten. Auch Peter K\u00f6stenberger, Bauprojektmanager und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Bauwert K\u00f6stenberger GmbH, war \u00fcberzeugt: \u201eWir sind zuversichtlich, dass weiterhin alle geplanten Projektschritte in bester Qualit\u00e4t und rechtzeitig erfolgen werden, sodass die Er\u00f6ffnung des Hauses 2019 sichergestellt werden kann.\u201c Auch das sehr knappe Budget von 15,6 Millionen Euro Baukosten f\u00fcr 11.300 Quadratmeter BGF wird eingehalten werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sch\u00f6ner als hier kann man seinen letzte Jahren des Lebens nirgendwo verbringen. Die hier entwickelte Rauml\u00f6sung f\u00fcr Wohngemeinschaften w\u00e4re aber auch f\u00fcr Studentenwohnungen oder Altersgemeinschaften bestens geeignet.<br \/>\nhttps:\/\/www.bauforum.at\/architektur-bauforum\/lebensabend-im-garten-eden-178133<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine besondere Aufgabe wurde intelligent gel\u00f6st. 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