{"id":265,"date":"2019-01-10T11:56:30","date_gmt":"2019-01-10T11:56:30","guid":{"rendered":"http:\/\/groihofer.at\/meinblog\/?p=265"},"modified":"2019-09-29T08:24:13","modified_gmt":"2019-09-29T08:24:13","slug":"der-stadtelefant-im-sonnwendviertel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/groihofer.at\/meinblog\/2019\/01\/10\/der-stadtelefant-im-sonnwendviertel\/","title":{"rendered":"Der Stadtelefant im Sonnwendviertel"},"content":{"rendered":"<p>Die Aufgabe war eine besondere, denn die Architekten wurden zu ihren eigenen Auftraggebern. Ein spannender Perspektivwechsel. Das Ergebnis ist ein Haus f\u00fcr Kreative, ein Denk- und Vernetzungsort, in das Franz&amp;Sue mit Projektpartnern einziehen, wie PLOV, SOLID, a-null Bausoftware, Hoyer Brandschutz, architektur in progress, der Architekturstiftung \u00d6sterreich und Barbara Chira, Betreiberin der Kantine.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\" wp-image-266 alignleft\" alt=\"haus-schaubild_-_mit_hgh-fassade-klein_foto_franzsue_0\" src=\"http:\/\/groihofer.at\/meinblog\/files\/2019\/08\/haus-schaubild_-_mit_hgh-fassade-klein_foto_franzsue_0.jpg\" width=\"472\" height=\"315\" srcset=\"https:\/\/groihofer.at\/meinblog\/files\/2019\/08\/haus-schaubild_-_mit_hgh-fassade-klein_foto_franzsue_0.jpg 675w, https:\/\/groihofer.at\/meinblog\/files\/2019\/08\/haus-schaubild_-_mit_hgh-fassade-klein_foto_franzsue_0-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 472px) 100vw, 472px\" \/><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Ein Pilotprojekt<\/strong><br \/>\nDas erste seiner Art in Wien und \u00d6sterreich entsteht im Wiener Sonnwendviertel, dem vom Wiener Hauptbahnhof und einem gro\u00dfen, neuen Wohnviertel gepr\u00e4gten Stadtteil. Das Wiener<strong><a href=\"https:\/\/www.bauforum.at\/architektur-bauforum\/franz-architekten-einfach-franz-17527\">Architekturb\u00fcro Franz&amp;Sue<\/a><\/strong>\u00a0bauen mit Partnern aus der Architekturbranche ein eigenes B\u00fcrohaus und realisieren damit einen Architekturcluster in der Bloch-Bauer-Promenade 23. Im Laufe des Februars 2019 werden alle gemeinsam in das sechsst\u00f6ckige Haus mit \u00f6ffentlich zug\u00e4nglicher Kantine und Veranstaltungsr\u00e4umen im Erdgescho\u00df einziehen. Franz&amp;Sue haben das Projekt initiiert und die Planung, unter Ber\u00fccksichtigung der W\u00fcnsche aller Beteiligten, \u00fcbernommen. Die Finanzierung haben die f\u00fcnf Errichtungspartner im Architekturcluster gemeinsam aufgestellt. Alle Partner agieren dabei gemeinsam in Form einer gewerblichen Baugruppe. Baubeginn war im August 2017.<\/p>\n<p><strong>Vom Architekten zum Auftraggeber<\/strong><br \/>\nAusgangspunkt war Neugierde, wie<a href=\"https:\/\/www.bauforum.at\/architektur-bauforum\/sue-architekten-vom-diskursiven-planen-und-bauen-164071\">\u00a0Franz&amp;Sue<\/a>\u00a0sagen, \u201euns interessiert das kooperative Arbeiten auf Augenh\u00f6he und der intensive Wissensaustausch, innerhalb unseres Teams, aber auch mit anderen. Aus dieser \u00dcberzeugung heraus initiierten wir vor zehn Jahren den \u201afight club\u2018 einen monatlichen Jour Fixe mit befreundeten Architekturb\u00fcros und Interessierten, der bis heute regelm\u00e4\u00dfig statt\ufb01ndet. Mit vier B\u00fcros aus dem fight club kam auch die Vision, dass wir gemeinsam ein B\u00fcrohaus bauen wollen, um dieses selbst zu nutzen. Ein Haus zum Arbeiten, zum Diskutieren und zum Wissen teilen, mit einer \u00f6ffentlichen Kantine f\u00fcr gemeinsame Mittagessen und einem Raum f\u00fcr Veranstaltungen.\u201c<\/p>\n<p>Hurtig begann die Suche nach einem Standort. 2015 kamen dann der Zufall und die Chance in Form einer Auslobung der \u00d6BB mit der Auflage, kluge Konzepte f\u00fcr Quartiersh\u00e4user mit einem lebendigen Erdgescho\u00df im Sonnwendviertel zu schaffen. Die Jury war vom Konzept des Teams, inmitten des Wohnquartiers zu arbeiten, schnell \u00fcberzeugt. Und das Pionierprojekt \u2013 es ist das einzige Geb\u00e4ude in diesem Neubaugebiet, in dem auf allen Regelgescho\u00dfen gearbeitet wird und das als B\u00fcrohaus von einer GmbH gewerblicher Nutzer selbst entwickelt, geplant, errichtet und \ufb01nanziert wird \u2013 war startklar. Das Projekt wurde der S-Immo, die im Wettbewerb der geforderte Bautr\u00e4ger war, zu \u201e\u00fcberschaubaren Forderungen\u201c abgekauft, eine GmbH zum Bauen gegr\u00fcndet, und schon war der Perspektivwechsel \u2013 vom Architekten zum Auftraggeber \u2013 vollzogen.<\/p>\n<p><strong>Der Architekturcluster<\/strong><br \/>\nDie Beteiligten einigten sich zur gemeinschaftlichen Nutzung des Erdgescho\u00dfes, dar\u00fcber stapeln sich die B\u00fcros, die von den neuen Eigent\u00fcmern in Form von Krediten und Eigenmitteln finanziert werden. In den oberen eineinhalb Gescho\u00dfen befinden sich vier Wohnungen, die von B\u00fcrokollegen genutzt werden, eine davon wurde mittlerweile allerdings bereits an befreundete Statiker vermietet, die im Haus mitarbeiten m\u00f6chten. Das Anliegen, einen repr\u00e4sentativen Querschnitt von Architekturarbeit ins Haus zu holen und Expertenwissen zu b\u00fcndeln, entstehende Synergien zu nutzen, machen den Bau zu einem, wie die Architekten meinen, einzigartigen Projekt in \u00d6sterreich. Erwin St\u00e4ttner, Partner von Franz&amp;Sue meint dazu: \u201eEs wird ein buntes und lebendiges Haus. Wir werden dort leben und arbeiten, Kaffee trinken, gute Mittagessen zu uns nehmen, Feste feiern und noch viele, viele Pl\u00e4ne schmieden.\u201c<\/p>\n<p><strong>Die Umsetzung: Gr\u00fcnderzeithaus 2.0<\/strong><br \/>\nDer Rollenwechsel, der Blick durch die Augen des Auftraggebers f\u00fchrte durchaus zu Konfrontationen, zu neuen Herausforderungen und zu einem Lernprozess. Man wollte den Platz m\u00f6glichst intensiv ausnutzen und plante im ersten Entwurf neun Ebenen mit nur 2,80 Meter Raumh\u00f6he. Doch Vorbild und Inspiration war eigentlich das von allen gesch\u00e4tzte flexible Gr\u00fcnderzeithaus, mit Fassadenraster, hohen R\u00e4umen, Fensterb\u00e4nken und Stuck. Also gingen die Architekten in sich und reduzierten auf siebeneinhalb Ebenen, zuoberst einem Staffelgescho\u00df, daf\u00fcr alle mit durchgehend 3,20 Meter Raumh\u00f6he. Die unkomplizierte und flexible r\u00e4umliche Struktur strahlt das Flair und die Qualit\u00e4t eines Wiener Altbaus aus. Die Fassade mit gro\u00dfen Fenstern im strengen Betonraster hebt sich von der Glaskasten-Monotonie typischer B\u00fcroneubauten ab. Das Geb\u00e4ude gibt sich ruhig, schlicht und unaufgeregt. Das voll verglaste Erdgescho\u00df \u00f6ffnet es f\u00fcr den Dialog mit dem Quartier und der \u00d6ffentlichkeit. Franz&amp;Sue: \u201eWir sind am Projekt gewachsen, haben Know-how zur Gesamtprojektentwicklung erworben, und vor allem verstehen wir die Sorgen und Anliegen unserer Auftraggeber um ein gutes St\u00fcck besser.\u201c<\/p>\n<p><strong>Ehrliche Materialen: Flexibel und nachhaltig<\/strong><br \/>\nIm Grundriss bleiben die einzelnen Etagen des Hauses offen gestaltbar \u2013 auf tragende Zwischenw\u00e4nde, G\u00e4nge oder Erschlie\u00dfungs\ufb02\u00e4chen wurde g\u00e4nzlich verzichtet. Die Fl\u00e4chen werden lediglich durch den Stiegenhaus- und WC-Kern strukturiert. So bleiben die R\u00e4umlichkeiten langfristig \ufb02exibel nutzbar und sind damit nachhaltig. Beim Bau der Fassade wurden etwa 3,30 \u00d7 3,60 Meter gro\u00dfe Betonfertigteile verwendet, die wie ein Puzzle pr\u00e4zise zusammengesetzt wurden. Eine Besonderheit sind die Innen- und Au\u00dfenseiten. Denn zwischen den in der Halle des Fertigteilproduzenten vorgefertigten, sandgestrahlten Sichtbetonfl\u00e4chen, ist die W\u00e4rmed\u00e4mmung bereits eingelegt. So ist der Rohbau bereits der fertige Ausbau und kommt ohne zus\u00e4tzlichen Innen- bzw. Au\u00dfenputz aus.<\/p>\n<p><strong>Thermische Bauteilaktivierung<\/strong><br \/>\nDurch diese Bauweise kamen die Planer auch mit minimaler Haustechnik aus \u2014 der Beton wirkt aktiv als Speichermasse, die K\u00fchlung und Minimall\u00fcftung erfolgt \u00fcber die STB-Decken. Es gibt keine Zwischendecken. Nach diesen Stahlbeton\u00adarbeiten war das Haus so gut wie fertig, hinzu kamen nur noch die Fenster und der Boden. Eine, wie die Architekten \ufb01nden, zeitgem\u00e4\u00dfe und \u00f6konomische Bauweise. Bei der \u201eThermischen Bauteilaktivierung\u201c (TBA) werden Rohrsysteme in gro\u00dffl\u00e4chige Bauteile aus Beton eingelegt, durch die warmes oder kaltes Wasser geleitet wird. Das Wasser gibt die W\u00e4rme oder K\u00e4lte an den Beton ab, der mit seiner hohen Materialdichte die Energie speichert und den Raum gleichm\u00e4\u00dfig beheizt oder k\u00fchlt. Gro\u00dffl\u00e4chige Betonbauteile ersetzen damit den klassischen Heizk\u00f6rper bzw. die Klimaanlage. Franz&amp;Sue haben das System mit einer zus\u00e4tzlichen Heizung bzw. K\u00fchlung in den Fu\u00dfb\u00f6den erg\u00e4nzt.<\/p>\n<p><strong>Der neue Treffpunkt f\u00fcr die Architekturszene<\/strong><br \/>\nMit Spannung und Vorfreude warten alle darauf, das Haus in K\u00fcrze mit Leben zu f\u00fcllen. Die 200\u00a0Quadratmeter gemeinsam genutzte Erdgescho\u00dffl\u00e4che wird tags\u00fcber als hauseigene Kantine genutzt, denn schon bisher wurde bei Franz&amp;Sue t\u00e4glich f\u00fcr die Mitarbeiter gekocht. Nun d\u00fcrfen sich auch G\u00e4ste und Anrainer von Barbara Chira, die sich in Wien bereits auf der Lerchenfelderstra\u00dfe als K\u00f6chin des Mittagstisches einen Namen gemacht hat, bekochen lassen. Abends sollen sich Gr\u00e4tzlbewohner und Kollegen zum Feierabendbier treffen. Und ab dem Fr\u00fchjahr sind regelm\u00e4\u00dfige Veranstaltungen geplant. Volker Dienst, Vorstand von \u201earchitektur in progress\u201c und Barbara Feller, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der \u201eArchitekturstiftung \u00d6sterreich\u201c meinen dazu: \u201eWir sind Partner im Projekt, weil Baukulturvermittlung nicht in einem Hinterzimmer funktioniert, sondern eine Auslage braucht, die in den \u00f6ffentlichen Raum ausstrahlen und mit diesem kommunizieren kann.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>ARCHITEKTEN<\/strong><br \/>\n<strong>Franz&amp;Sue<\/strong><br \/>\nSeit der \u201eVerm\u00e4hlung\u201c von Franz&amp;Sue im Mai 2017 arbeiten 45 Mitarbeiter aus zehn Nationen im Wiener B\u00fcro. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Gesellschafter sind Christian Ambos, Michael Anhammer, Robert Diem, Harald H\u00f6ller und Erwin St\u00e4ttner.<br \/>\nIn den vergangenen Jahren haben Franz&amp;Sue etwa 30 Wettbewerbe im Bereich Bildungs-, Wohn- und B\u00fcrobau gewonnen und dar\u00fcber hinaus namhafte gro\u00dfe Projekte wie das Design der Wiener U-Bahn-Linie 5, das Sammlungs- und Forschungszentrum der Tiroler Landesmuseen oder das Chemieforschungszentrum in Maria Gugging f\u00fcr sich entscheiden k\u00f6nnen.<br \/>\nEin besonderes Vorhaben, die Sanierung und Erweiterung des Justizgeb\u00e4udes Salzburg, wurde im Herbst 2018 fertiggestellt. Seit 2015 wurde der denkmalgesch\u00fctzte Altstadtblock grundlegend entkernt, saniert und erweitert. Der historische Komplex wurde f\u00fcr zeitgem\u00e4\u00dfe Anforderungen adaptiert und f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit ge\u00f6ffnet. Der verglaste Neubau mit den Verhandlungss\u00e4len bildet eine Br\u00fccke zwischen traditioneller und zeitgen\u00f6ssischer Justiz, B\u00fcrgern und Gericht.<\/p>\n<p>https:\/\/www.bauforum.at\/architektur-bauforum\/der-stadtelefant-im-sonnwendviertel-175456<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Aufgabe war eine besondere, denn die Architekten wurden zu ihren eigenen Auftraggebern. Ein spannender Perspektivwechsel. 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