{"id":303,"date":"2021-11-29T09:56:02","date_gmt":"2021-11-29T09:56:02","guid":{"rendered":"http:\/\/groihofer.at\/meinblog\/?p=303"},"modified":"2022-12-06T10:11:54","modified_gmt":"2022-12-06T10:11:54","slug":"ikea-beim-wiener-westbahnhof-gruenes-regal-mit-beton-foerdert-klimaresilienz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/groihofer.at\/meinblog\/2021\/11\/29\/ikea-beim-wiener-westbahnhof-gruenes-regal-mit-beton-foerdert-klimaresilienz\/","title":{"rendered":"IKEA beim Wiener Westbahnhof. Gr\u00fcnes Regal mit Beton f\u00f6rdert Klimaresilienz"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><strong><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-305\" alt=\"\u00a9 NIKLAS STADLER | www.niklasstadler.at\" src=\"http:\/\/groihofer.at\/meinblog\/files\/2021\/11\/IKEA_wien_westbahnhof-133x133.jpeg\" width=\"133\" height=\"133\" \/>Eine lebenswerte Stadt der Zukunft braucht nachhaltige Geb\u00e4udekonzepte mit klimafitten Architekturl\u00f6sungen. Der multinationale Einrichtungskonzern Ikea schuf mit seinem neuen Geb\u00e4ude am Wiener Westbahnhof ein in vielerlei Hinsicht innovatives Geb\u00e4ude, bei dem der Baustoff Beton seine Vielseitigkeit und Flexibilit\u00e4t unter Beweis stellen konnte. Der Bau wurde bereits mehrfach ausgezeichnet.<\/strong><\/p>\n<p>Das von au\u00dfen wie ein \u00fcberdimensionales Hochregal wirkende Geb\u00e4ude beim Wiener Westbahnhof sorgt f\u00fcr internationales Aufsehen und Anerkennung. Unter Ber\u00fccksichtigung relevanter Klimaschutzaspekte ist das Geb\u00e4ude bereits mit zwei Umweltbewertungen und einem Preis f\u00fcr nachhaltiges Bauen bei den Holcim Awards 2020\/2021 ausgezeichnet worden. Das Projekt gilt l\u00e4ngst als Vorzeigebeispiel f\u00fcr klimafit Bauen, bei dem der Baustoff Beton einen wichtigen Beitrag leistet. \u201eIn diesem Projekt wird gezeigt, wie nachhaltiges Bauen mit den vielf\u00e4ltigen Eigenschaften von Beton funktioniert. Intelligente Planung, ressourcenschonender Materialeinsatz, effizientes Energiekonzept und nachhaltige Nutzungsflexibilit\u00e4t unterstreichen die Vorteile des Baustoffs Beton in puncto Umwelt- und Klimaschutz\u201c, zeigt sich Thomas M\u00fchl, Vorstand von Beton Dialog \u00d6sterreich \u00fcber die herausragenden Ergebnisse der Geb\u00e4udebewertungen beeindruckt. Das Projekt ist auch unter den zehn Nominierten f\u00fcr den Staatspreis f\u00fcr Architektur und Nachhaltigkeit 2021.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Offen, urban und autofrei<\/strong><\/p>\n<p>Idee und Konzeption entstammen einem dreistufigen Architektur-Wettbewerb, aus dem letztlich das Architektenteam der querkraft architekten mit der Idee ein \u201elebendiges Stadtregal\u201c zu schaffen, als Sieger hervorging. \u201ePrim\u00e4rer Gedanke\u201c, so Ikea-Projektleiter Bau Robert Charuza, \u201ewar es, unser Angebot n\u00e4her an den Kunden mitten in die Stadt zu bringen. Dazu wollten wir ein nachhaltiges Geb\u00e4ude mit flexibler Nutzung, welches ein autofreies Einkaufserlebnis bietet.\u201c In diesem Projekt kommen vermehrt effiziente\u00a0Systeme und L\u00f6sungen, wie u.a. thermisch aktivierte Betondecken, zum Einsatz. Unter dem Aspekt soziale Nachhaltigkeit orientierten sich querkraft architekten an ihrem Leitmotiv: den Menschen Raum geben. \u201eDieses Motiv zu einer gro\u00dfz\u00fcgigen Raumgestaltung gilt nicht nur f\u00fcr die Nutzer des Geb\u00e4udes, sondern auch f\u00fcr die Anrainer im dicht bebauten Gr\u00e4tzel, einem Verkehrsknotenpunkt zwischen der viel befahrenen G\u00fcrtelstra\u00dfe, dem Westbahnhof, U-Bahn, Stra\u00dfenbahn und der sehr lebendigen Mariahilfer Stra\u00dfe\u201c, erl\u00e4utert Jakob Dunkl von querkraft architekten die Aufgabenstellung. Ziel war es, eine in die Zukunft weisende \u201eLandmark\u201c mit mehreren Zusatznutzungen zu schaffen.<\/p>\n<p><strong>Betonbau mit thermisch aktivierten Gescho\u00dfdecken<\/strong><\/p>\n<p>Der Bauprozess war eine Herausforderung f\u00fcr die Tragwerksplaner. Denn unterhalb des Geb\u00e4udes verlaufen die Tunnelr\u00f6hren einer U-Bahn-Linie, welche die gewohnte Druckbelastung, das Gewicht des Bestandes, erfordern. H\u00e4tte man das alte Geb\u00e4ude herk\u00f6mmlich abgebrochen, h\u00e4tten sich die Tunnelr\u00f6hren durch den Auftrieb des Grundwassers gehoben. Somit musste in der allerersten Bauphase f\u00fcr ausreichend Auflast gesorgt werden, indem bereits die massive Betondecke des Erdgescho\u00dfes eingebaut wurde. Erst durch diese Gewichtskompensation konnte mit dem Abbruch des alten Mauerwerks und den Aushubarbeiten der k\u00fcnftigen Lagerr\u00e4ume \u00fcber eine \u00d6ffnung in der Betondecke begonnen werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Hotel war urspr\u00fcnglich nur ein Stockwerk vorgesehen. Doch dank der 30 Zentimeter schlanken Betondecken und dem Verzicht auf einen mehrschichtigen Bodenaufbau mit Trittschalld\u00e4mmung konnte ein weiteres Gescho\u00df eingezogen werden, ohne die genehmigte Geb\u00e4udeh\u00f6he zu \u00fcberschreiten. \u201eWir haben um jeden Zentimeter gek\u00e4mpft\u201c, so Dunkl. Die f\u00fcnf Verkaufsgescho\u00dfe und das erste Hotelgescho\u00df haben eine Raumh\u00f6he von 4,66 Meter. Das zweite Hotelgescho\u00df des letztlich sieben-gescho\u00dfigen Geb\u00e4udes ist niedriger. \u201eEtwa alle drei Wochen\u201c, so Charuza, \u201ekam ein Stockwerk dazu und jedes Mal wurden ca. 590 Kubikmeter Frischbeton in Decken und W\u00e4nde eingebaut.\u201c In den bauteilaktivierten Betondecken sind rund 40 Kilometer Rohrleitungen zum Heizen im Winter und zum K\u00fchlen im Sommer verlegt. Die Speichermasse Beton wird dabei von einer effizienten W\u00e4rme-\/K\u00e4ltepumpenanlage gespeist. In den beiden Hotelgescho\u00dfen sorgen zus\u00e4tzlich Gebl\u00e4se-Konvektoren (Fan Coils) mit Fernw\u00e4rme f\u00fcr Behaglichkeit. In\u00a0Summe sind rund 13.000 Kubikmeter Beton in dem Geb\u00e4ude verbaut. \u201eDer gr\u00f6\u00dfte Teil davon ist ideale thermische Speichermasse, die\u201c, so Jakob Dunkl, \u201ein Kombination mit der rundum Bepflanzung sowohl den Anspruch der \u00f6kologischen als auch der emotionalen Nachhaltigkeit \u00fcber den gesamten Lebenszyklus des Geb\u00e4udes erf\u00fcllt\u201c.<\/p>\n<p><strong>Transparenz, Flexibilit\u00e4t und Offenheit<\/strong><\/p>\n<p>Um die Flexibilit\u00e4t der offenen Innenr\u00e4ume zu bewahren, wurde das Kerngeb\u00e4ude auf allen vier Seiten um 4,3 Meter einger\u00fcckt, wodurch rund um das Haus luftige Arkaden entstanden. Zugleich wurden Infrastrukturanlagen, wie Aufz\u00fcge, Stiegenh\u00e4user und Haustechniksch\u00e4chte sowie begr\u00fcnte Terrassen und Raumerweiterungen in die 4,3 Meter tiefe Au\u00dfenzone \u2013 die Au\u00dfenregale \u2013 gelegt. Offene und geschlossene Elemente wechseln einander ab. Pro Gescho\u00df gibt es einen begehbaren Balkon. Licht und Sonne werden durch eingeschnittene begr\u00fcnte Lichth\u00f6fe zwei Stockwerke in die Tiefe geleitet. Das verst\u00e4rkt die innere Transparenz und den Wohlf\u00fchlfaktor. Der gro\u00dfz\u00fcgige lichtdurchflutete Innenraum erm\u00f6glicht durchgehende Blickbeziehungen und Interaktionen zwischen den Gescho\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Eine gr\u00fcne Oase im Gro\u00dfstadtdschungel<\/strong><\/p>\n<p>Wien entwickelt sich durch die zunehmende Erderw\u00e4rmung zu einer Stadt mit vermehrten Hitzetagen. Um einen Beitrag zur Klimaverbesserung zu leisten, wurden in Zusammenarbeit mit Landschaftsarchitekten und G\u00e4rtnern rund 160 B\u00e4ume gepflanzt. Damit sich die Pflanzen an ihrem neuen Standort klimatisch wohlf\u00fchlen und gut gedeihen k\u00f6nnen, kommen \u00fcberwiegend heimische Pflanzenarten, wie Schwarzkiefern, Birken oder Ahorn zum Einsatz. Sie stehen in Tr\u00f6gen auf der 2.000 Quadratmeter gro\u00dfen Dachterrasse und auf den Au\u00dfenregalen der Fassade. Durch die Bepflanzung auf allen vier Fassadenseiten konnten wesentlich mehr Pflanzen untergebracht werden, als dies auf einer planen Grundfl\u00e4che m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Die eigens daf\u00fcr entwickelten doppelb\u00f6digen Tr\u00f6ge werden \u00fcber eine sensorgesteuerte Bew\u00e4sserungsanlage aus einem geb\u00e4udeeigenen Regenwasserspeicher versorgt. Die Dach- und Fassadenbegr\u00fcnung k\u00fchlt und befeuchtet die Umgebungsluft und verbessert so das Mikroklima. Computersimulationen ergeben eine relevante Temperaturabsenkung von 1,5 \u00b0C.<\/p>\n<p><strong>Gr\u00fcne Zertifizierungen. Greenpass &amp; BREEAM<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr seinen nachhaltigen Beitrag zu einer lebenswerteren Stadt erhielt das IKEA City Center Wien Westbahnhof das Greenpass Platinum-Zertifikat. Greenpass ist der erste internationale Zertifizierungsstandard f\u00fcr Klimaresilienz. Insgesamt werden dabei sechs urbane Themenfelder mit Fokus auf den Freiraum analysiert, optimiert und bewertet: Klima, Wasser, Luft, Biodiversit\u00e4t, Energie und Kosten. Das gesamte Geb\u00e4ude wurde auch BREEAM zertifiziert. BREEAM steht f\u00fcr \u201eBuilding Research Establishment Environmental Assessment Method\u201c. Es ist das \u00e4lteste und am weitesten verbreitete Zertifizierungssystem f\u00fcr nachhaltiges Bauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine lebenswerte Stadt der Zukunft braucht nachhaltige Geb\u00e4udekonzepte mit klimafitten Architekturl\u00f6sungen. Der multinationale Einrichtungskonzern Ikea schuf mit seinem neuen Geb\u00e4ude am Wiener Westbahnhof ein in vielerlei Hinsicht innovatives Geb\u00e4ude, bei dem der Baustoff Beton seine Vielseitigkeit und Flexibilit\u00e4t unter Beweis stellen konnte. Der Bau wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. 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