Helmut Richter: Informatik-Hauptschule am Kinkplatz in Wien 14 (1992–1994)

Erstellt am 29. September 2019 von Brigitte Groihofer
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Bangen um ein visionäres baukulturelles Denkmal

2014 starb Helmut Richter. Für den Erhalt der von ihm entworfenen Schule, einer Ikone der Hightech-Architektur, formierte sich damals ein internationales Architektur-Komitee. Beim Bundesdenkmalamt wurde um Unterschutzstellung angefragt. Doch nichts geschah.

Helmut Richter (geb. 1941 in Graz, gest.2014 in Wien) studierte an der TU Graz und gilt als wichtiger Vertreter der „Grazer Schule der Architektur“. Er vervollständigte seine Ausbildung mit einem Studium der Informationstheorie sowie der System- und Netzwerktheorie an der University of California in Los Angeles, wo er auch als Forschungsassistent tätig war. In dieser Zeit wandelte er sich – auch durch sein Interesse für Mathematik – vom „Baukünstler“ zum „Ingenieurarchitekten“. 1971–1975 lehrte er an der École nationale supérieure des beaux-arts in Paris.

Informatik Mittelschule Kinkplatz, Aula

Informatik Mittelschule Kinkplatz, Aula

Impresario und nachhaltig prägender Lehrer

Als Glück für die Studenten kann man den Einzug Helmut Richters 1991 in der Nachfolge von Ernst Hiesmayr in die TU Wien, Abteilung für Hochbau 2 bezeichnen. Seit Karl Schwanzer hatte es keinen so nachhaltig prägenden Impresario an der TU gegeben. Wie jener war er offen für alles konstruktiv Neue, wie jener stellte er den Menschen und die interdisziplinäre Planung in den Mittelpunkt. In den 17 Jahren seiner Lehrtätigkeit an der TU Wien betreute er die unglaublich große Zahl von mehr als 500 Diplomarbeiten und damit auch die heute wesentliche Architektengeneration.

Präzision und kompromisslose Qualität prägten seine Haltung. Mit seinen prototypischen Bauten an der Grenze des Machbaren und Möglichen schuf er Ikonen der Architekturgeschichte. Richters Architekturen gelten noch heute im überwiegend technologiefeindlichen österreichischen Umfeld als Sonderleistungen internationalen Zuschnitts, die aus den in Österreich gewohnten Normen ausbrachen. Er zeichnete seine Hightech-Pläne mit Tusche auf Transparentpapier, Strichstärke0,15 und 0,20 Millimeter, mit höchster Präzision. Das veranlasste seinen britischen Kollegen Peter Cook zum Ausspruch, seine Architektur sei „hand-tailored tech“.

Meisterwerk des Schulbauprogramms 2000

Die Schule am Kinkplatz war das radikalste und mutigste Leuchtturmprojekt des von Hannes Swoboda initiierten Schulbauprogramms 2000 der Stadt Wien. Richter markierte den Beginn der Neuinterpretation des Wiener Schulwesens. Neue Raumtypen waren damals jedoch nicht Teil des Programms, weshalb auch er sich eines Gangtypus bediente. Die leidvolle Realisierungsphase stand unter der Auflage „keine Experimente mehr“ und einige Teile wie etwa die Beschattung wurden schon beim Bau nicht gemäß den Plänen des Architekten realisiert. Ausführungsfehler führten zu Einbrüchen von Hangsickerwasser. Die Kosten für Wartung und Instandhaltung wurden dem Bezirk Penzing übertragen, der unter der Last ächzte. Schon damals hätte es dafür eine Sonderlösung unter Obhut einer fachlich kompetenten Betreuung gebraucht, „denn“, so der Bauingenieur Lothar Heinrich, der lange Jahre mit Richter zusammenarbeitete, „ein Maserati ist auch anders zu warten als ein VW Käfer. Jährliche Berichte und Kontrollen fehlten.“
Als innovatives Projekt der ersten Stunde hat die Schule wohl viele der 70 Lehrer überfordert.  (more…)


Höchste Baukultur gepaart mit Designkultur und Industriegeschichte

Erstellt am 31. Mai 2019 von Brigitte Groihofer
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Die zwei Architekturbüros Hofbauer, Liebmann, Wimmesberger und X Architekten entwickelten gemeinsam die 8.300 Quadratmeter große KTM Motohall samt Veranstaltungssaal, Schauwerkstatt, Stadthaus und Tiefgarage für den erfolgreichen Innviertler Motorradhersteller KTM. Am 11. Mai wurde feierlich eröffnet.

Wussten Sie, dass die jedermann bekannte Marke KTM die Abkürzung für „Kronreif, Trunkenpolz, Mattighofen“ steht? 1934 gründete Hans Trunkenpolz im oberösterreichischen Mattig­hofen eine Schlosserei und drei Jahre später den Handel mit DKW-Motorrädern. Bald war man eine der bedeutendsten Auto- und Motorradwerkstätten in Oberösterreich.

Österreichische Industrie- und Wirtschaftsgeschichte

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https://www.bauforum.at/architektur-bauforum/hoechste-baukultur-gepaart-mit-designkultur-und-industriegeschichte-182359

Im Jahr 1951 beginnt das Unternehmen mit der Entwicklung eines eigenen Motorrads, zwei Jahre später geht die KTM R 100 in Serie, und die Firma steigt umgehend und erfolgreich in den Rennsport ein. Ihre Fahrer heimsen WM-Titel ein und werden zu Legenden wie Heinz Kinigadner und Trampas Parker. Doch 1991 muss die KTM Motorfahrzeugbau AG Konkurs anmelden, wird vom damals 35-jährigen Stefan Pierer, Absolvent der Montanuniversität Leoben, aufgekauft und startet ein Jahr später als neu formierte KTM Motorradsparte unter dem Namen KTM Sportmotorcycle GmbH abermals durch. 1999 bezieht das Unternehmen sein neues Werk in Mattighofen. Ab nun dominieren die Oberösterreicher die Rallye Paris Dakar mit dem heute weltbekannten Slogan „Ready to Race“. KTM-CEO Stefan Pierer wollte sich jetzt bei den Mattig­hofenern bedanken und stellte ein Budget von bisher rund 35 Millionen Euro für den Bau der neuen Erlebniswelt zur Verfügung, „die zu einem Zentrum für alle Motorradfreaks werden, jedoch auch die Firmengeschichte aufarbeiten, archivieren und dokumentieren soll“, wie Ausstellungs­direktorin Kristina Kuttruf betont. (more…)


Tänzerische Skulptur als neue Landmark

Erstellt am 12. März 2019 von Brigitte Groihofer
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So bezeichnete die Juryvorsitzende Elke Delugan-Meissl den sich um die eigene Achse drehenden Monolith, der den Stadtraum im UNESCO-Weltkulturerbegebiet Wachau neu choreografiert. Das neue Museum wird ab dem Frühjahr 2019 termingerecht die Kunstmeile Krems als weitere Attraktion bereichern.

Weiterlesen: https://www.bauforum.at/architektur-bauforum/taenzerische-skulptur-als-neue-landmark-167712

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Lebensabend im Garten Eden

Erstellt am 7. März 2019 von Brigitte Groihofer
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Eine besondere Aufgabe wurde intelligent gelöst. Ordensschwestern als Bauherrinnen und drei junge Architekten haben sich gefunden und eine präzise, menschliche und nachhaltige Raumlösung mit Sensibilität und alemannisch geprägter Tradition für pflegebedürftiges Wohnen geschaffen.

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Der Stadtelefant im Sonnwendviertel

Erstellt am 10. Januar 2019 von Brigitte Groihofer
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Die Aufgabe war eine besondere, denn die Architekten wurden zu ihren eigenen Auftraggebern. Ein spannender Perspektivwechsel. Das Ergebnis ist ein Haus für Kreative, ein Denk- und Vernetzungsort, in das Franz&Sue mit Projektpartnern einziehen, wie PLOV, SOLID, a-null Bausoftware, Hoyer Brandschutz, architektur in progress, der Architekturstiftung Österreich und Barbara Chira, Betreiberin der Kantine.

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Christian, Diether und Thomas Hoppe: Generationsübergreifend

Erstellt am 17. Dezember 2018 von Brigitte Groihofer
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Architektur, Lehre und die Aufgeschlossenheit zu Innovationen sind in der dritten Generation eng mit dem Namen Hoppe ­verbunden. Diether Hoppes Söhne, Thomas und Christian, haben Baukultur mit der Muttermilch aufgesogen. Aktiv widmen sich alle standespolitischen Sach­themen. Und der neue Vorsitzende der Sektion Architekten in der Ziviltechnikerkammer W/NÖ/B heißt Thomas Hoppe.

hoppe_archit_2018_v1Fotografie: Larry Williams

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Treffpunkt Architektur: Eine Ikone der Sechzigerjahre­

Erstellt am 3. Dezember 2018 von Brigitte Groihofer
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Architektur & Bau Forum lädt am 8. November gemeinsam mit den Eigentümern, Norbert Winkelmayer (Sans Souci Group) & Friedrich Gruber (6B47 Real Estate Investors) zu einer exklusiven Architekturführung in das neue “PhilsPlace”.

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Stefanie Theuretzbacher: Jenseits von Afrika

Erstellt am 27. September 2018 von Brigitte Groihofer
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Eine junge österreichische Architektin wagt den Sprung in den fernen Kontinent und eröffnet in der 18-­Millionen-Metropole Lagos ein Büro. Sie ist gekommen, um zu bleiben. Eine mutige und hürdenreiche Entscheidung mit der Chance, an der ­Entwicklung im bevölkerungsreichsten Land Afrikas mitzuwirken.

ABF_018 Stefanie TheuretzbacherFotografie: Larry Williams

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Hoch über Wien schwebend

Erstellt am 16. August 2018 von Brigitte Groihofer
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URBANES WOHNEN DER LUXUSKLASSE – Erstmals entsteht in Wien ein Projekt des italienischen Architekten Renzo Piano. Die 346 Parkapartments beginnen quasi erst im 4. Stockwerk. Auf Pylonen gestelzt ermöglichen sie urbanes Wohnen der Luxusklasse mit Fernblicken in alle Himmelsrichtungen. Das weithin sichtbare Landmark wird im Frühjahr 2019 eröffnet.

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Musikerhaus von Raimund Abraham gesichert

Erstellt am 9. Mai 2017 von Brigitte Groihofer
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“Flying Saucer” von Raimund Abraham gelandet.

Haus für Musiker auf der ehemaligen NATO-Raketenbasis in Hombroich bei Düsseldorf gesichert. Abraham entwarf es für seinen Freund Karl-Heinz Müller, den visionären Gründer der Museumsinsel Hombroich. Nach dessen Tod 2007 und dem tödlichen Unfall des Architekten 2010 war die Zukunft des Rohbaus ungewiss. Der noch offene Betonbau war ungeschützt dem Wetter ausgesetzt und drohte zu verfallen. Nun konnte die Stiftung die Gebäudehülle schließen und die Innenfassade mit Lärchenholz nach den ursprünglichen Plänen Abrahams vollenden. Für die monolytische Struktur wählte Abraham Beton. Ein Material, dessen Präsenz man körperlich spüren soll: “Ein Monument braucht es auf diesem ehemaligen unwirtlichen NATO-Gelände, einem Raketenstützpunkt”.

Mit der axialen Ausrichtung zum Watchtower, der Neigung der Dachscheibe, gleicht das Gebäude einem „Flying Saucer“ (Eric Owen Moss), „der zur Landung ansetzt“ (Abraham). Die Wahl, die Dachscheibe ebenfalls aus Beton zu fertigen, war ein technisches Wagnis, das gelungen ist, wie die Leichtigkeit, mit der diese leicht abgehoben eher über dem Gebäude schwebt, als auf ihm aufliegt, zeigt. Die Rampen und Stiegen im Inneren aus 9mm Edelstahl kontrastieren dynamisch mit der umgebenden Schwere. Ob der Innenausbau als Herberge für Musiker, Bibliothek, Studios und Veranstaltungen fertiggestellt wird, ist noch nicht entschieden. Ob die Vollendung im Sinne Abrahams ist, wissen wir nicht. Dass damit eine Ikone visionärer Architektur gesichert ist, ist jedenfalls positiv zu bewerten.


Mag. phil.
Dr. techn. MBA
Brigitte Groihofer
Kulturmanagerin
Publizistin
gerichtlich zertifizierte Mediatorin

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